Ätherische Öle bei Tieren: Schluss mit diesen fünf Mythen!

Ätherische Öle bei Tieren: 5 gefährliche Mythen

Wenn dir jemand erzählt, du könntest ein ätherisches Öl bedenkenlos pur auf dein Tier auftragen oder ins Futter geben, nur weil es von einer bestimmten Firma kommt, wäre ich an deiner Stelle verdammt vorsichtig.

Auch ein hochwertiges, reines ätherisches Öl kann deinem Tier schaden, wenn es ungeeignet ist oder falsch angewendet wird. Für eine verantwortungsvolle Anwendung zählen unter anderem das einzelne Öl, seine Zusammensetzung, die Dosierung, die Tierart und der Aufnahmeweg. Der Firmenname ersetzt diese Prüfung nicht. [1]

Trotzdem begegnen mir immer wieder dieselben Empfehlungen: Ein paar Tropfen aufs Fell. Etwas ins Trinkwasser. Den Diffuser laufen lassen. Und wenn das Tier ausweicht, muss es sich eben erst daran gewöhnen.

Zeit, mit fünf dieser Mythen aufzuräumen.

Mythos 1: „Unsere Öle sind so rein, dass sie deinem Tier nicht schaden können.“

Seit wann entscheidet der Firmenname darüber, wie ein Tier einen hochkonzentrierten Pflanzenstoff verträgt?

Natürlich ist Qualität wichtig. Ich möchte wissen, was in einer Flasche steckt. Aber Reinheit bedeutet nicht, dass ein Stoff in jeder Menge und bei jeder Anwendung unbedenklich ist.

Ein reines ätherisches Öl enthält weiterhin biologisch aktive Inhaltsstoffe. Ob daraus eine sinnvolle Anwendung oder ein Risiko entsteht, hängt von mehr ab als vom Etikett.

„Das ist ein besonders hochwertiges Öl“ beantwortet nicht die Frage: „Ist es für mein Tier in dieser Situation geeignet?“

Wenn dir jemand eine Anwendung empfiehlt, frag deshalb nach: Für welche Tierart gilt das? Wie soll das Öl angewendet werden? In welcher Konzentration? Und worauf stützt sich die Empfehlung?

Wer verantwortungsvoll berät, sollte diese Fragen beantworten können.

Mythos 2: „Ein paar Tropfen pur aufs Fell sind kein Problem.“

Ein Tropfen sieht nach wenig aus. Das macht ihn nicht automatisch harmlos.

Bei einer puren Anwendung kommt dein Tier mit einem hochkonzentrierten Öl in Kontakt. Bestimmte ätherische Öle können die Haut reizen; je nach Öl und aufgenommener Menge sind auch Vergiftungen möglich. Und „nur äußerlich“ schützt nicht davor: Bestandteile können über die Haut aufgenommen werden. [1]

Bei Katzen kommt das Putzen hinzu. Ölreste auf dem Fell können beim Ablecken in den Körper gelangen. [2]

Ich arbeite deshalb nicht mit puren ätherischen Ölen auf Haut oder Fell. Für mich gehört vor jede Anwendung die Frage, ob dieses Öl überhaupt infrage kommt und welche Verdünnung für das einzelne Tier und die Situation sinnvoll ist.

Ein Öl wird auch durch Verdünnen nicht automatisch geeignet. Erst muss die Auswahl stimmen. Dann prüfen wir die Anwendung und Dosierung.

Mythos 3: „Ätherische Öle im Futter oder Trinkwasser sind eine einfache Unterstützung.“

Diese Empfehlung klingt praktisch: Ein paar Tropfen dazu, fertig.

Aber damit entscheidest du, dass dein Tier die enthaltenen Stoffe schlucken soll. Die orale Aufnahme kann Vergiftungsrisiken bergen; welche Gefahr besteht, hängt unter anderem von Öl, Konzentration und Menge ab. [3]

Im Trinkwasser kommt ein weiteres Problem dazu: Ätherische Öle lösen sich nicht einfach gleichmäßig in Wasser. Ein Tropfen in einem gefüllten Napf ist deshalb keine zuverlässig verdünnte Anwendung.

Und wenn du nicht weißt, wie viel dein Tier frisst oder trinkt, weißt du auch nicht sicher, welche Menge es aufnimmt.

In meiner Aromatherapie für Tiere gibt es keine Anwendung ätherischer Öle über Futter oder Trinkwasser.

Eine Empfehlung aus einer Gruppe ist dafür keine fachliche Grundlage. Auch der Hinweis auf besondere Reinheit ändert daran nichts.

Mythos 4: „Der Diffuser kann ruhig den ganzen Tag laufen.“

Dein Hund liegt gemütlich auf seinem Kissen. Der Diffuser läuft auf dem Wohnzimmertisch. Es riecht angenehm. Also ist alles gut?

So einfach ist es nicht.

Ob eine Raumbeduftung problematisch wird, hängt unter anderem vom verwendeten Öl, dem Gerät, dem Raum, der Dauer und dem Tier ab. Atemwege können durch Duftstoffe gereizt werden. [2]

Außerdem arbeiten Diffuser unterschiedlich. Ultraschallgeräte und Vernebler können winzige Öltröpfchen in die Luft abgeben. Diese können sich auf dem Fell ablagern und über die Haut oder beim Putzen aufgenommen werden. Gerade bei Katzen ist das ein zusätzlicher Risikofaktor. [2]

Deshalb halte ich wenig davon, einfach ein Gerät einzuschalten und es stundenlang laufen zu lassen, weil es für uns schön riecht.

Eine offene Tür ersetzt die fachliche Prüfung nicht. Dein Tier braucht eine Ausweichmöglichkeit – und du musst vorher wissen, ob die Beduftung überhaupt infrage kommt.

Mythos 5: „Wenn dein Tier den Duft nicht mag, muss es sich daran gewöhnen.“

Nein. In meiner Aromatherapie muss sich kein Tier an einen Duft gewöhnen, den ich ihm aufzwinge.

Ich möchte wissen, wie es reagiert. Ich beobachte es, nehme seine Signale ernst und lasse ihm eine echte Wahlmöglichkeit.

Ein Dufttest ist für mich deshalb keine schnelle Pflichtübung, bei der ich irgendeine Flasche unter die Nase halte und anschließend meine Anwendung durchziehe.

Wenn ein Tier Abstand sucht, respektiere ich das. Ich versuche es nicht so lange weiter, bis es irgendwann stillhält.

Auch ein fachlich geeignetes Öl muss nicht auf deinem Tier landen. Dein Tier darf Nein sagen.

Dein Hund bleibt liegen? Das beweist noch keine Zustimmung.

Dieser Punkt wird bei ätherischen Ölen besonders häufig übersehen.

Du schaltest einen Diffuser ein. Dein Hund bleibt auf seinem Platz. Vielleicht denkst du: „Scheint ihm ja zu gefallen.“

Vielleicht schläft er aber gerade. Vielleicht ist das sein Lieblingsplatz. Vielleicht hat er keinen Anlass gesehen aufzustehen.

Aus dem Liegenbleiben allein können wir nicht zuverlässig ableiten, dass er den Duft angenehm findet.

Genauso wenig bedeutet das Schnuppern einer Katze an einer Flasche, dass sie dieses Öl „braucht“. Und ein Pferd, das stillsteht, bestätigt damit nicht automatisch, dass die Anwendung für es passt.

Neugier ist keine Diagnose. Stillhalten ist kein Sicherheitsnachweis.

Wir Menschen interpretieren Verhalten schnell so, dass es zu unserer Vorstellung passt. Gerade deshalb möchte ich genau hinsehen und dem Tier Raum für seine Reaktion geben.

Ein sorgfältiger Dufttest ersetzt dabei keine fachliche Prüfung. Er sagt mir nicht, ob ein Öl ungiftig ist oder eine Erkrankung behandeln kann. Aber er hilft mir, das einzelne Tier bei meinen Entscheidungen zu berücksichtigen.

Nur weil dein Tier etwas mit sich machen lässt, heißt das noch lange nicht, dass es damit einverstanden ist.

Woran erkennst du eine verantwortungsvolle Ölempfehlung?

Bevor du einen Tipp für deinen Hund, deine Katze oder dein Pferd übernimmst, prüfe:

  • Ist klar, welches Öl oder welche Mischung gemeint ist? Ein schöner Produktname reicht nicht.
  • Geht die Empfehlung auf deine Tierart und die konkrete Situation ein?
  • Sind Anwendung und Konzentration nachvollziehbar beschrieben?
  • Werden Risiken und Grenzen genannt?
  • Darf dein Tier den Duft ablehnen und sich entziehen?

Fehlen dir Antworten, lass die Anwendung erst einmal sein. Das ist eine vernünftige Entscheidung.

Wenn du eine Vergiftung vermutest oder dein Tier nach einer Anwendung auffällig reagiert, kontaktiere umgehend eine Tierarztpraxis. Halte die Flasche und die Angaben zur Zusammensetzung bereit.

Eine Haus- oder Stallapotheke, bei der du verstehst, was du tust

Vielleicht möchtest du ätherische Öle bei deinem Tier sinnvoll nutzen, hast aber keine Lust mehr, bei jedem Tipp zu rätseln: Kann ich das machen? Für welche Tierart gilt das? Und wie wäre die Anwendung richtig?

Genau dafür habe ich meine Haus- und Stallapotheken-Kurse entwickelt.

Es gibt drei eigene Kurse:

  • Ätherische Hausapotheke für Hunde
  • Dufte Hausapotheke für Katzen
  • Ätherische Stallapotheke für Pferde

Wir beschäftigen uns mit ätherischen Ölen, Hydrolaten und Pflanzenölen für typische Alltagssituationen. Du lernst, worauf du bei der Anwendung achten solltest und wie ein vernünftiger Dufttest funktioniert.

Weil die Kurse live stattfinden, kannst du mir deine Fragen direkt stellen.

Ich möchte, dass du verstehst, warum du etwas anwendest, worauf du achten musst und wann du es besser weglässt.

Hier gehts zu den Apotheken 👉🏼 https://alfima.com/cindykuh/p/apotheke

Welche dieser fünf Aussagen wurde dir schon als völlig selbstverständlich verkauft?

Fachquellen

[1] Merck Veterinary Manual: Toxicoses From Essential Oils in Animals. Fachlich geprüfter Überblick zu Aufnahmewegen und Vergiftungsrisiken.

[2] Pet Poison Helpline: Essential Oils and Cats. Informationen zu Hautkontakt, Putzen und Risiken unterschiedlicher Diffuser.

[3] Pet Poison Helpline: Essential Oils. Informationen zu Risikofaktoren wie Aufnahmeweg, Konzentration und Menge.

Die genannten Quellen beziehen sich überwiegend auf Hund und Katze. Daraus lassen sich keine pauschalen Anwendungsempfehlungen oder Dosierungen für Pferde ableiten.

Über die Autorin:

Cindy Kuhn ist Aromatherapeutin für Tiere und Ausbilderin der Aromatherapie für Tiere. Sie vermittelt eine markenunabhängige, achtsame Aromatherapie, bei der Fachwissen und die Reaktion des einzelnen Tieres zusammengehören.

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Über Cindy Kuhn

Cindy Kuhn ist 1987 im nördlichen Saarland geboren, wo sie auch heute noch lebt und ihre Zeit mit ihren Pferden, Hunden und Katzen in ihrem gemütlichen Haus mit großem Garten genießt.

Nach ihrer Ausbildung zur Tiermedizinischen Fachangestellten hat sie ihre Weiterbildungen in den Bereichen Pferdegesundheit und -verhalten, Energetik und Aromatherapie bei bekannten Größen der Szene absolviert.

Cindy ist seit 2017 selbständig und begleitet als Expertin auf ihren Fachgebieten Menschen und Tiere. Als freie Dozentin und Referentin teilt sie ihr breit gefächertes Wissen mit TherapeutInnen und Interessierten aller Sparten.

Ihre Vision ist es, dass Mensch und Tier harmonisch ihren gemeinsamen Weg gehen. Deshalb sieht sie ihre Mission darin, Menschen zu sensibilisieren und auf Zusammenhänge hinzuweisen, die nicht immer gleich erkennbar sind. So kann ein tieferes Verständnis als Basis einer guten Beziehung und eines schönen Miteinanders entstehen.

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